Zum Inhalt springen

IG-Fanfictionwettbewerb – Hier sind die Geschichten Teil 2

3. Juli 2010
by

Hier ist

Geschichte 2 – “Hoffen und Bangen”

“You’ll be in my heart… Always” – “Du wirst immer in meinem Herzen sein“

Es war mitten im Winter und im Bauernhaus lief leise das Radio. „ You’ll be in my heart“ von Phil Collins während Gernot sich die ‚alten’ Fotoalben anschaute. Teilweise übersetzte er den Text ins Deutsche, doch vor allem diese eine Stelle berührte ihn immer wieder. Sie passte irgendwie zu ihm und Ingrid, denn Ingrid würde immer einen Platz in seinem Herzen haben, egal was passieren würde.
Vor einiger Zeit hatte Ingrid die meisten Fotoalben beschriftet und auf einmal fiel ein Brief aus einem Album heraus. „Gernot“ stand darauf und sofort erkannte er Ingrids Handschrift. Warum hatte sie ihm einen Brief geschrieben? Was hatte sie ihm sagen wollen, was sie ihm nicht persönlich sagen konnte? Sollte er den Brief öffnen… Oder besser nicht? Vielleicht hatte Ingrid auch einen Grund gehabt, dass sie ihm diesen Brief nie gegeben hat. Er zögerte noch einen Moment, dann entschloss er sich, ihn zu öffnen.

„Lieber Gernot, nun ist es wohl soweit und du musstest Abschied von mir nehmen. Ich hatte noch so viele Pläne, mit dir. Die letzten Jahre, die wir gemeinsam hatten, waren wunderschön. Ich hätte nicht geglaubt, dass ich tatsächlich den Rest meines Lebens mit dir verbringen würde. Ich werde dich immer lieben, das darfst du nicht vergessen.
Als ich deinen Heiratsantrag abgelehnt habe, hielt ich es für richtig, wenn wir nicht heiraten würden. Während unserer ersten Beziehung wolltest du nicht heiraten und ich war mir sicher, dass sich das in den Jahren dazwischen nicht geändert hat. Heute weiß ich, dass es ein Fehler war, damals „Nein“ zu sagen und es tut mir Leid, dass ich dir so wehgetan habe. Aber auch ohne Trauschein hatten wir ein schönes Leben miteinander. In der Villa, aber auch in unserem Bauernhaus. Ich wäre gerne noch weiterhin an deiner Seite geblieben, aber der Krebs war stärker.
Wenn du mich später noch einmal gefragt hättest, ob ich deine Frau werden möchte, hätte ich kein weiteres mal „Nein“ gesagt. Für mich hätte es nichts Schöneres gegeben, „Frau Ingrid Simoni“ zu werden. Auch wenn wir keinen offiziellen Stempel haben, wie ich ja damals mal gesagt habe, sehe ich dich als meinen Mann und mit diesem Brief möchte ich mich bei dir bedanken, dass du auch ohne ein offizielles Versprechen mit mir „in guten wie in schlechten Zeiten“ zusammen geblieben bist. Der Tod war das einzige, dass uns von einander hat trennen können.
Gernot, ich bitte dich, nur weil ich nicht mehr da bin, dich nicht aufzugeben. Das Leben wird für dich weitergehen, so schwer es dir auch fallen mag. Ich weiß, dass du mir lieber folgen wollen würdest, als ohne mich zu leben. Aber bitte lebe weiter. Auch ohne mich wirst du eines Tages wieder glücklich sein.
In ewiger Liebe… Deine Ingrid“

Fassungslos ließ Gernot den Brief nach unten sinken und er merkte, wie ihm Tränen über die Wangen liefen. Wann hatte Ingrid diesen Brief geschrieben? Ahnte sie, dass etwas passieren würde? Nein, das konnte sie ja nicht. Sie hatte, wie es schien, damit gerechnet, dass sie den Kampf gegen den Krebs nicht gewinnen würde.
Und doch kam alles anders, als er gedacht hätte. Wie würde es nun weiter gehen? War es wirklich so, dass am Ende nicht der Krebs ihm Ingrid genommen hatte, sondern zwei solcher Idioten?
Noch immer konnte er kaum glauben, was passiert ist. War es wirklich passiert oder wachte er gleich auf und merkte, dass die letzten Tage, Wochen nur ein Traum waren? Würde Ingrid neben ihm liegen und darüber lachen, was er geträumt hat? Warum? Warum musste alles so kommen? Warum war er jetzt alleine… Ohne Ingrid? Warum war sie nicht bei ihm? Und wann würde sie, wenn überhaupt wieder zu ihm zurück kommen? Er musste um sie kämpfen, denn wie sollte sein Leben ohne Ingrid weiter gehen?
Plötzlich klingelte das Telefon. Er wollte nicht dran gehen und der Anrufbeantworter ging dran. Es war sein Chefarzt. Er bat ihn dringend in der Klinik anzurufen.
Gernot wusste nicht, was es bedeuten sollte. Irgendetwas war mit Ingrid, das war ihm klar und das, was passiert war, wolle er nicht am Telefon erfahren. So schnell es ging fuhr er zurück in die Klinik.
Aber was war eigentlich passiert…?

Drei Wochen zuvor…
Ingrid saß im Bus, auf dem Weg nach Hause. Sie hatte heute Spätdienst gehabt und war froh, endlich Feierabend zu haben. Wie so oft gingen ihre Gedanken zurück an den letzten Frühling. Als sie die Mitteilung erhalten hat, dass sie Krebs hat. Wie ein Schlag ins Gesicht war es gewesen, als Gernot gezwungen war, ihr diese Diagnose mitzuteilen. Doch sie wollte kämpfen und sich nicht davon unterkriegen lassen.
Noch immer war sie nicht wieder gesund. Zu jedem Tag konnte der Krebs zurückkehren und solange sie konnte, würde Ingrid gegen ihn kämpfen. Sie konnte doch noch nicht sterben… Gernot alleine lassen. Wenn sie nur daran dachte, wie es ihm gehen würde, wenn sie starb. Er hatte doch schon Laura, seine erste Frau verloren und Rebecca war noch Tokio gezogen und jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen seit sie sie das letzte Mal besucht hatte. Gernot wäre dann ganz alleine und der Gedanke daran war für sie schwerer, als der Gedanke an den Krebs. Endlich hielt der Bus an ihrer Haltestelle und sie stieg aus. Jetzt noch 5 Minuten Fußweg, dann war sie zu Hause. Zum Glück. Sie war noch keine Minute aus dem Bus, da fror sie schon.
Auf einmal hörte die Oberschwester Schritte hinter sich und bekam ein komisches Gefühl. Was war nur auf einmal los mit ihr? Die Schritte wurden schneller und kamen ihr immer näher. Sie war schon fast am Bauernhaus, als plötzlich jemand von hinten ihren Mund zuhielt. Starr vor Schreck blieb sie stehen und keine 2 Sekunden nachdem ihr Mund zugehalten wurde, spürte sie eine Pistole in ihrem Rücken…
„Ganz ruhig, Schätzchen, dann passiert dir auch nichts.“ Es war eine fremde Stimme, die Ingrid hörte. Was wollte der Kerl bloß von ihr. Jemand riss ihr die Handtasche vom Arm und durchwühlte sie. Außer ihrem Portemonnaie und ihrem Hausschlüssel hatte sie jedoch nichts dabei. „Ist das alles?“ Ingrid nickte, sagen konnte sie nichts, da noch immer ihr Mund zugehalten wurde. „Schade, schade, schade…“ Ingrid sah ein Auto entgegen kommen. Hoffentlich würde der Fahrer sie sehen und anhalten, dachte sie noch. Da bekam sie einen Schubs von dem Kerl, der sie festhielt und hörte quietschende Reifen… Licht, dass sie blendete, dann drehte sich alles und sie war weg…

Vom Wohnzimmer aus hörte Gernot ein Auto eine Vollbremsung machen und etwas scheppern. So schnell er konnte, eilte er nach draußen, um zu schauen, was passiert war. Das Herz sackte ihm in die Hose, als er Ingrid am Boden liegen sah. Der Fahrer des Wagens stieg aus seinem Wagen. Er war völlig geschockt, Ingrid hatte so plötzlich auf der Straße gestanden… Er versuchte Gernot zu erklären, was passiert war, doch Gernot hörte ihm nicht zu. „Rufen Sie einen Krankenwagen! Schnell…“ „Aber…“ „Machen Sie schon!“ Gernot konnte Ingrid nicht untersuchen. Zu groß war seine Angst, dass er etwas falsch machen würde, trotz seiner jahrelangen Berufserfahrung. Bei Ingrid war es etwas anderes.

Der Fahrer nahm sein Handy und rief Polizei und Notarzt an. Was hatte er getan? Wie hatte er nur diese Frau anfahren können???

„Ingrid… Ingrid hörst du mich?“ Immer wieder versuchte Gernot sie anzusprechen und hielt sie im Arm, aber die Oberschwester blieb bewusstlos. Wie hatte das nur passieren können? Warum war Ingrid vor dieses Auto gelaufen? Hatte sie es nicht gesehen? Was war passiert? Was wäre, wenn Ingrid sterben würde?

Endlich kam der Krankenwagen. Wie so oft, war Dr. Schäfer als Notarzt dabei. „Herr Professor… Frau Rischke… Was ist passiert?“ „Ich weiß es nicht…“ Der andere Fahrer meldete sich zu Wort. „Sie stand auf einmal auf der Straße… Es ging alles so schnell… Fast so, als wäre sie geschubst worden… Ich wollte sie nicht anfahren… Aber ich konnte nicht mehr bremsen…“
Dr. Schäfer nickte kurz. Dann untersuchte er Ingrid, doch genaueres würde man erst in der Klinik feststellen können. Sie luden Ingrid in den Krankenwagen und fuhren los. Natürlich wurde sie in die Sachsenklinik gebracht.
Bevor sie losfuhren war auch die Polizei eingetroffen und hatte die Aussage und Personalien des Autofahrers aufgenommen. Gernot würde auch noch eine Aussage machen müssen und natürlich Ingrid, sobald sie aufgewacht war. Da Herr Delmare, so hieß der andere Fahrer, gesagt hatte, dass es für ihn so ausgesehen hatte, als wäre Ingrid geschubst worden, untersuchten die Polizisten den Weg, wo Ingrid wohl gestanden hatten und fanden ihre Handtasche. Auf den ersten Blick konnten sie erkennen, dass diese einfach hingeschmissen wurde und somit erhärtete sich der Verdacht, dass Ingrid wirklich geschubst wurde. Sie hofften, dass Ingrid möglichst bald aufwachen würde, denn nur ihre Aussage würde Klarheit bringen können.

In der Sachsenklinik war die Stimmung merklich getrübt, als sie erfuhren, dass die Oberschwester eingeliefert wurde, weil sie angefahren worden war. Roland veranlasste die notwendigen Untersuchungen, danach hieß es erstmal abwarten.

Ingrid fiel ins Koma. Doch bereits am zweiten Tag konnte man den Tubus entfernen, da sie zumindest selbstständig atmen konnte und auch sonst stabilisierte sie sich recht schnell. Es sah eigentlich alles ganz gut aus und auch ihre Werte fielen wieder in den Norm-Bereich, aber sie wollte trotzdem nicht aufwachen und keiner wusste, wie lange ein Koma andauern würde. Manche wachten bereits nach wenigen Tagen aus, andere nach Wochen und es gab auch Patienten, die nach Jahren erst aus dem Koma erwachten. Hoffentlich, dachte Gernot, dauerte es bei Ingrid nicht so lange. Irgendwann würde er vor der Entscheidung stehen, wie es weiter gehen soll. Was soll er dann sagen? Die Geräte abschalten, weil Ingrid nicht für Jahre so da liegen wollen würde? Sie nicht abschalten und hoffen, dass sie aufwachen würde? Was würde Ingrid an seiner Stelle tun?

Heute war der Unfall schon drei Wochen her und Gernot konnte gar nicht schnell genug in die Klinik kommen, doch ausgerechnet jetzt war so viel los auf den Straßen und er kam kaum voran. Nervös tippelte er mit den Fingern immer wieder auf das Lenkrad. Warum dauerte es ausgerechnet heute, wo er keine Zeit zu verlieren hatte, so lange?
Nach einer, für ihn gefühlten Ewigkeit, kam er nun endlich an und machte sich auf dem schnellsten Weg zu seinem Chefarzt.
„Heilmann! Was ist passiert?“ „Herr Professor…? Sie hier?!?“ „Ich habe ihre Nachricht gehört und da bin so schnell ich konnte hergefahren. Was ist mit Ingrid?“
Roland sah in den Augen seines Chefs, was er vermutete. Dass Ingrid es doch nicht geschafft hatte. Natürlich hätte das sein können. Sie hätte sterben können, doch sie war aufgewacht!

2 Wochen war es nun her, dass Ingrid aus dem Koma erwacht war. Am nächsten Tag würde sie in die Rehaklinik entlassen werden, wo sie noch 4 Wochen verbringen würde, bevor sie wieder anfangen könnte zu arbeiten.
Wenige Tage, nachdem sie aus dem Koma erwacht war, war die Polizei bereits bei Ingrid gewesen. Sie konnte nicht viel sagen, aber da die Diebe keine Handschuhe getragen hatten und schon einmal bei der Polizei bereits geführt waren, hatte nur noch Ingrids Aussage gefehlt, um sie dem Haftrichter vorzuführen.
Gegen Abend kam Gernot an diesem Tag zum ersten Mal in die Klinik. In der Hand hatte er eine einzelne gelbe Rose. Fröhlich vor sich hin strahlend ging er durch die Klinik zu Ingrids Zimmer. Erstaunt schaute Yvonne ihm hinterher. ‚Warum er wohl so strahlt, wenn die Oberschwester ab morgen 4 Wochen weg ist?!?’ fragte sie sich.

„Hallo, mein Schatz.“ Genauso fröhlich wie er durch die Klinik gegangen war, betrat er nun auch Ingrids Zimmer. „Ich muss wohl erst wieder ins Koma fallen, bevor du den ganzen Tag in meinem Zimmer verbringst?“ Ingrid gab sich Mühe ihn erst anzuschauen, doch als sie Gernots Blick sah, musste sie schallend anfangen zu lachen. Gernot, der im ersten Moment geglaubt hatte, dass Ingrid ihre Worte ernst gemeint hatte und ihm das Lachen einen Moment verging, lächelte sie wieder an. „Nein, das wirst du nicht. Aber ich hatte noch etwas zu erledigen… Und das ging nicht schneller.“ „Besser spät als nie.“ Gernot beugte sich zu Ingrid hinunter und gab ihr einen Kuss. Die Rose hatte er hinter seinem Rücken versteckt und holte sie nun hervor. „Eine Rose für die Rose.“ „Na, da bin ich ja froh, dass du mir keine Schachtel Pralinen mitgebracht hast.“ Verdutzt schaute der Professor in das grinsende Gesicht der Oberschwester. „Warum?“ „Eine Rose für die Rose… Eine Schachtel für die Schachtel…“ Schallend mussten beide lachen. „Mh… Wo du Recht hast, hast du Recht. Aber genau deswegen bekommst du eine Rose. Sag mal… Hast du in deinem Bett noch Platz für mich?“ Keck grinste der Professor die Oberschwester an.

Etwas später lagen Gernot und Ingrid zusammen im Bett. Ingrid hatte ihren Kopf auf Gernots Brust gelegt und dieser hielt sie in seinem Arm.
„Ingrid?“ „Hm…?“ „Willst du mich heiraten?“
Ingrid merkte, wie ihr Herz schneller schlug. So lange hatte sie sich schon gewünscht, dass Gernot sie erneut fragen würde und jetzt hatte er es ‚endlich’ getan. Doch der Professor deutete Ingrids Zögern falsch.
„Bitte… Ingrid. In den letzten Wochen, ich hatte solche Angst…“
Ingrid unterbrach ihn indem sie ihren Finger auf seine Lippen legte und ihn anschaute.
„Ja, Gernot, ich will dich heiraten.“
Glücklich fanden sich ihre Lippen zu einem zärtlichen Kuss und sie beide wussten, dass jetzt alles gut werden würde. Und eines Tages würden sie auch Ingrids Krebs besiegen… Hoffentlich…

Und hier gehts zur Abstimmung:

Ein Kommentar Eins hinterlassen →
  1. anonym Permalink
    16. Juli 2010 08:35

    Sieht ja schon recht eindeutig aus.
    Wie lange geht die Umfrage denn noch?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.